20. September 2013

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LVZ - Gedenken an Erich Loest

Erich LoestAm Freitag, den 20. September 2013 findet um 10 Uhr in der Leipziger Nikolaikirche die Trauerfeier für den Schriftsteller Erich Loest statt.  Redner der Gedenkfeier sind der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung, Superintendent Martin Henker und Werner Schulz (Foto Erich Loests Armin Kühne)

 LVZ, 19.9.2013

Leipzig/Brüssel. Es war der Wunsch von Erich Loest, dass Werner Schulz auf seiner Trauerfeier die Rede hält. Und der 1950 in Zwickau geborene Bürgerrechtler wird diese Bitte seines „väterlichen Freundes und engen Wegbegleiters" gern erfüllen. „Selbst, wenn ich gerade auf dem Mond gewesen wäre, hätte mich das nicht davon abgehalten", sagt er. Schulz war in Brüssel, wo er als Europaabgeordneter der Grünen arbeitet. Gestern Nachmittag ist er dort mit dem Redemanuskript fertig geworden. Nachdem er den letzten Satz formuliert hatte, sprach die LVZ mit ihm.

Erfahren hatte der Bürgerrechtler vom Tod Erich Loests, der am vergangenen Donnerstagabend starb, aus dem Radio, am Freitagmorgen in Brüssel. „Das war wie ein Hammerschlag. Ich konnte an dem Tag nichts mehr machen", erzählt der enge Freund Loests von seinen Gefühlen. Es ist nicht lange her, als beide gemeinsam in der Nikolaikirche saßen und am 17. Juni dieses Jahres des Volksaufstandes in der DDR gedachten. Auch an Loest 85. Geburtstag vor zwei Jahren in Leipzig erinnert sich Schulz gern. Er war auch an Loests Seite, als der Leipziger Ehrenbürger der Medienstiftung das von Reinhard Minkewitz gemalt Bild „Aufrecht Stehen" übergab.

„Erich wollte manchmal mit dem Kopf durch die Wand, da habe ich versucht, dass es doch noch irgendwo ein Loch gibt", erinnert sich der Freund.

Von dem Wunsch, dass er die Rede halten soll, wurde Schulz zu Wochenbeginn von einer Anfrage der Stadt Leipzig überrascht. „Ich wusste ja, dass Erich keine Reden haben wollte, sondern lieber Champagner", so Schulz. Daher hat er Loests Lebensgefährtin Linde Rotta angerufen, um zu erfahren, wie es dazu kam. Der Schriftsteller habe eine Woche vor seinem Ableben mit ihr darüber gesprochen. Wenn es im Falle seines Todes eine offizielle Trauerfeier geben sollte, dann käme nur einer als Redner in Frage: Werner Schulz. Das war Loests ausdrücklicher Wunsch.

Dem Grünen-Politiker, der bekannt ist als brillanter Rhetoriker, was er auch am 9. Oktober 2009 im Leipziger Gewandhaus mit einer beeindruckenden Rede unterstrich, fiel es dennoch nicht leicht, die Bitte des Verstorbenen zu erfüllen. „Nachdem ich 2004 bei der Beerdigung meines Freundes Wolfgang Ullmann eine Rede gehalten habe, sagte ich mir, dass ich das nie wieder machen werde." Denn das falle auch ihm extrem schwer. „Wenn man selbst tief um einen Menschen trauert, dann ist es nicht einfach zu reden, ohne dass es einen wegreißt. Das ist anders, als wenn man Abstand hat", sagt ein noch sehr betroffener Werner Schulz. „Aber ich habe seine Bitte als Ehre und als Verpflichtung empfunden. Seine Bücher haben mein Leben begleitet, mir Orientierung, Halt und Kraft gegeben", fügt er hinzu. Als erstes Buch von Loest las Schulz mit 14 Jahren „Jungen die übrig blieben". Loest selbst erlebte er zum ersten Mal 1970 bei einer Lesung in Leipzig.
Die Trauerfeier für Erich Loest findet morgen um 10 Uhr in der Leipziger Nikolaikirche statt, die Beerdigung ist um 16 Uhr in Mittweida.

Werner Schulz

Ex-MdB/MdEP – DDR-Bürgerrechtler

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