12. November 2014

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Gedenkfeier im Landtag Baden-Württemberg

Auszug aus einem Artikel der Badischen Zeitung vom 14. November 2014

"Bis zum Überdruss" sei in den vergangenen Wochen an den Mauerfall am 9. November 1989 erinnert worden, beginnt Werner Schulz, 64, seine Gedenkrede an das "Wunderjahr" 1989. Schulz zeichnet den Systemzusammenbruch nach, der eine lange Vorgeschichte gehabt habe. Er erinnert an den frühen, weitgehend vergessenen antikommunistischen Widerstand in der DDR. An drei Leipziger Studenten, die wegen ihres Protestes 1951 hingerichtet worden waren. "Ihr mutiger Widerstand gegen die zweite totalitäre Diktatur auf deutschem Boden ist vergleichbar mit dem, was Hans und Sophie Scholl taten." Auch deshalb könne man sagen: "Was lange gärt, wird Mut." China, Nordkorea oder Kuba zeigten, dass Gesellschaften nicht einfach zusammenbrächen. Vielmehr ereigneten sich Revolutionen, "wenn die oben nicht mehr können und die unten nicht mehr wollen".

Mit "Bürgermut" seien Ostdeutsche friedlich und erfolgreich gegen "Unfreiheit, Bevormundung, Willkür, Lüge und ein bis an die Zähne bewaffnetes Regime" aufgestanden. Ob die DDR ein Unrechtsstaat sei oder nicht – Schulz spricht von einer bizarren Diskussion. "Schon die Ablehnung und verschwiemelte Umschreibung des Begriffs reiht sich ein in die dummschlaue Ostalgysi."

Verdrängung, Verklärung, Verharmlosung wirft Schulz dem Linken-Fraktionschef Gregor Gysi und dessen Partei vor und warnt davor, "die Unrechtsnatur des Systems" mit seiner "kollektiven Freiheitsberaubung" verblassen zu lassen. "Wir sollten dem Bundespräsidenten dankbar sein, dass er die Wertegrundlagen unserer offenen Gesellschaft verteidigt und die Relativierung von Unrecht nicht durchgehen lässt." Am Ende nennt es Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) "einen goldrichtigen Entschluss", den Zeitzeugen Werner Schulz zur offiziellen Gedenkfeier eingeladen zu haben.

Werner Schulz

Ex-MdB/MdEP – DDR-Bürgerrechtler

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