11. November 2010 "Mauerfälle"

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Berliner Mauer reist nach Brüssel - Signierung durch "Väter der Einheit"

Sehr geehrter Herr Dr. Heuchert, lieber Michael Fischer-Art, meine Damen und Herren,

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich mit der Entscheidung schwer getan habe heute Abend ein Mauerstück zu signieren.

Und das hat nichts damit zu tun, dass die Veranstaltung zwischen zwei besonderen Tagen unserer Eventkultur stattfindet. Dass wir heute hier in Belgien einen Feiertag haben, der auf das Ende des 1. Weltkrieges, auf den Waffenstillstand von 1918 zurückgeht und wir in Deutschland die närrische fünfte Jahreszeit eröffnet haben.

Sondern ich habe gerade im letzten Jahr festgestellt, als wir den 20. Jahrestag des Mauerfalls oder besser gesagt des Mauerdurchbruchs gefeiert haben, dass mit der weltweiten Verteilung der Mauerstücke und ihrer bunten Bemalung bis hin zur Regenparty mit Dominosteinen, dieses monströse Bauwerk zwar seinen Schrecken verliert, aber sich bedauerlicherweise auch ein falsches Geschichtsbild in die Erinnerungskultur einprägt:

Das einer bunten Graffitiwand, einer beeindruckenden Eastside-Galerie. Die Gefahr besteht, dass künftige Generationen auf der Welt womöglich fragen werden, warum man dieses sagenhafte Berliner Kunstwerk abgerissen hat ?

Und das ist kein Jock oder futuristische Satire, wenn ich nicht selbst mit einer Besuchergruppe aus dem Schwarzwald - aber sie hätte auch vom Hundsrück oder aus der Lüneburger Heide kommen können - folgendes erlebt hätte: In Berlin, wo kaum noch Originalteile der Mauer vorhanden sind und kaum noch etwas daran erinnert, kann man durch auffallende Pflastersteine den Verlauf der ehemaligen Demarkationslinie verfolgen. Wenn man aufmerksam zum Boden blickt kann man das auch vorm Reichstag, Plenarbereich Deutscher Bundestag sehen, wie unser Deutsches Parlament umständlicherweise offiziell heißt. Ein Besucher fragte mich als er das entdeckt hatte: "Warum man denn den Reichstag so nah an die Mauer gebaut hat ?"

Dabei war dieses monströse Bauwerk, dass die DDR antifaschistischer Schutzwall nannte, das zynische Symbol eines Unrechtstaates. Wer es überwinden wollte – allein das Delikt Republikflucht sagt alles über diesen Staat aus – musste mit der Todesstrafe rechnen, die ohne Gerichtsurteil, praktisch standrechtlich an dieser Todeswand vollstreckt wurde. Das dürfen wir nie vergessen und ausblenden.

Doch da das Projekt „Mauerfälle" mit dem dazugehörigen Schulbuch zum Dialog über die Vergangenheit und Zukunft anregen soll, ich das kulturelle Engagement der Verbundnetz Gas AG und das von Michael Fischer-Art schätze, will auch ich meinen Beitrag für dieses Verbundnetz für Demokratie und Toleranz leisten und ein Mauerteil signieren, dass man früher von dieser Seite aus nur unter Todesgefahr berühren konnte.

Gelenkte Justiz mit einem Geschworenen - Putin macht Druck auf die Justiz Die erneute Vorverurteilung von Michal Chodorkowski durch Putins Äußerung "Ein Dieb gehört ins Gefängnis" belegt die russische Macht- gefälligkeitsjustiz mit nur einem Geschworenen. Und der heißt Wladimir Putin. In einer offenen Diskussionsrunde mit der demokratischen Opposition könnte er zeigen, ob er mehr als ein rücksichtlos

Werner Schulz

Ex-MdB/MdEP – DDR-Bürgerrechtler

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